Anubis – Der älteste Totengott der ägyptischen Mythologie

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Anubis

Anubis ist der altägyptische Gott der Totenriten, Beschützer der Gräber und Führer der Seelen ins Jenseits – dargestellt als Mensch mit schwarzem Schakalkopf oder als liegender Schakal. Er gilt als einer der ältesten Götter Ägyptens überhaupt, dessen Bild bereits auf Königsgräbern der Ersten Dynastie (um 3100 v. Chr.) erscheint. Lange vor dem Aufstieg des Osiris-Kultes war dieser dunkle Wächter die oberste Macht über die Toten am Nil.

Wer ihn heute kennt, denkt sofort an die Waage, die Feder der Wahrheit und das Urteil über das menschliche Herz. Doch die Geschichte dieses Gottes reicht weit tiefer – tiefer als die Pyramiden, tiefer als die Dynastien, fast bis an den Anfang der ägyptischen Zivilisation selbst. Was macht ihn so faszinierend? Und warum ist sein Bild bis heute eines der meistwiedererkannten Symbole der Antike?

Woher stammt Anubis?

Anubis – auch bekannt als Inpu, Inpw oder Anpu – ist der ägyptische Gott der Mumifizierung, der Totenriten, Hüter der Gräber und Führer ins Jenseits sowie Schutzpatron der verlorenen Seelen. Sein Name ist dabei gar nicht einmal ägyptischen Ursprungs: Der Name „Anubis“ ist die griechische Form des ägyptischen Anpu (oder Inpu), was „verwesen“ bedeutet – ein früher Hinweis auf seine Verbindung zum Tod.

Sein Bild erscheint auf königlichen Gräbern bereits aus der Ersten Dynastie Ägyptens (um 3150–2890 v. Chr.), doch er hatte mit Sicherheit bereits zuvor eine Kultgemeinde, um auf Grabwänden zum Schutz der Toten angerufen zu werden. Man geht davon aus, dass seine Verehrung als Reaktion auf Schakale und wilde Hunde entstand, die in der Vorgeschichte (um 6000–3150 v. Chr.) neu begrabene Leichen ausgruben.

Seit der Vorgeschichte Ägyptens, als die Toten in seichten Gräbern beerdigt wurden, waren Schakale eng mit Friedhöfen verbunden, weil sie als Aasfresser menschliche Körper ausgruben. Dieses reale Beobachtungsmuster prägte den Kult: Jackale wurden mit dem Tod assoziiert, weil sie in der Nähe von Friedhöfen lauerten und verwesendes Fleisch fraßen. Daher machten die Ägypter den Schakal zum Schutzgott, in der Hoffnung, die Körper der Toten so vor dem Verschlungenwerden zu schützen.

Die Frage nach seiner genauen Herkunft war selbst den alten Ägyptern nicht eindeutig: In früheren Zeiten galt er als Sohn des Sonnengottes Ra und der Hesat (verbunden mit Hathor), doch nach seiner Eingliederung in den Osiris-Mythos wurde er als Sohn des Osiris und seiner Schwägerin Nephthys angesehen. Diese Verschiebung spiegelt eine fundamentale Entwicklung der ägyptischen Religionsgeschichte wider – der Aufstieg des Osiris-Kultes zwang ältere Götter in neue Rollen. Ursprünglich war dieser Schakalgott ein Sohn des Ra und diente als primärer Gott der Toten. Mit der Zeit, als der Kult des Osiris an Macht gewann, wurden die Geschichten um den alten Schakalgott in das neue, größere Mythengefüge eingegliedert.

Als ursprüngliche Kultstätten werden Kynopolis (17. Oberägyptischer Gau) sowie die Nekropolen Abydos und Sakkara (Anubieion) angegeben. Seinen Titel „Erster der Westlichen“ erhielt er in Abydos. Der Westen hatte in der ägyptischen Vorstellung eine besondere Bedeutung: Der Schakal als Wüstentier wurde früh mit der westlichen Wüste in Verbindung gebracht. Der Westen ist in vielen Mythologien die Heimat sowohl der Toten als auch der Caniden – Hunde, Wölfe, Schakale –, die als Seelenführer in das Land der Toten angesehen wurden.

Anubis

Welche Aufgaben hatte Anubis in der ägyptischen Mythologie?

Der schwarze Schakalgott war nicht nur ein Bote oder Wächter – er war der Architekt des Todes selbst. Er war mit dem Totenkult und der Fürsorge für die Verstorbenen verbunden, und seine spätere Rolle war die des „Seelengeleiters“. Außerdem gilt er als Erfinder des Einbalsamierens, eine Kunst, die er erstmals am Leichnam des Osiris anwandte.

Der Osiris-Mythos ist dabei entscheidend für das Verständnis seiner Rolle: Seth, eifersüchtig auf Osiris, ermordete ihn, zerstückelte seinen Körper und verstreute die Teile über ganz Ägypten. Der Schakalgott half Isis und Nephthys dabei, die Teile zu finden, und einbalsamierte und umwickelte dann Osiris‘ Körper – und schuf so die erste Mumie. Priester trugen im Totenkult eine Anubis-Maske und führten die Einbalsamierung und verschiedene Totenriten wie das „Mundöffnungsritual“ durch, damit der Verstorbene wieder sprechen, sehen, hören und riechen konnte.

Das Herzgewicht – diese zentrale Szene des ägyptischen Totenglaubens – war seine wohl bedeutendste Aufgabe. Eine seiner Rollen war die des „Hüters der Waage“. Die entscheidende Szene im Totenbuch, die die Wägung des Herzens zeigt, stellt ihn bei einer Messung dar, die darüber entschied, ob die betreffende Person würdig war. Zusätzlich war seine Aufgabe, in der Halle der Zwei Wahrheiten zu stehen und die Herzen der Menschen zu wiegen. Das menschliche Herz wurde auf der Waage gegen die Feder der Ma’at aufgewogen. Wog das Herz mehr als die Feder, würde die hybride Gottheit Ammit das Herz verschlingen und die Seele vernichtet. Wog das Herz gleich der Feder, durfte der Verstorbene durch die Unterwelt (Duat) und ins Jenseits gelangen.

Neben der Göttin Ma’at, die die Feder der Wahrheit beisteuerte, war auch Thot, der Gott der Schrift, mit ibisköpfiger Gestalt anwesend, um das Ergebnis zu notieren. Das Wesen Ammit, das auf das Urteil wartete, war laut Überlieferung ein Mischwesen: Teil Löwe, Teil Nilpferd, Teil Krokodil – eine Verkörperung des schlechten Gewissens und des ewigen Vergessens für jene, die ein schweres Herz trugen.

Im Grab empfing er die Mumie, vollzog die Zeremonie der Mundöffnung und führte die Seele zum „Feld der Himmlischen Opfergaben“, wobei er die Hand schützend auf die Mumie legte. Die alten Ägypter glaubten, dass die Konservierung des Körpers und die Verwendung wohlriechender Kräuter und Pflanzen dem Verstorbenen helfen würde, weil er die Mumie beriechen und nur die Reinen ins Paradies weiterziehen lassen würde.

Die antike Beerdigungszeremonie, bekannt als „Öffnung des Mundes“, wurde von Priestern mit Schakalmasken durchgeführt, die den Geist des Schutzgottes beschworen. Bei dieser Zeremonie wurde der Mund des Toten geöffnet, damit er oder sie im Jenseits weiterhin essen und atmen konnte. Der Glaube an die körperliche Unversehrtheit als Voraussetzung für das ewige Leben war das Fundament, auf dem die gesamte ägyptische Totenkultur ruhte – und der dunkle Wächter stand im Zentrum dieses Systems.

Was bedeutet die schwarze Farbe des Anubis?

Eine der meistgestellten Fragen über diesen Gott betrifft seine markante Erscheinung: Warum ist der Schakalgott schwarz, obwohl echte Schakale eine bräunlich-graue Farbe haben? Die Antwort liegt tief in der symbolischen Sprache der alten Ägypter verborgen.

Seine auffällige schwarze Farbe repräsentierte nicht das Tier selbst, sondern hatte mehrere symbolische Bedeutungen. Sie stand für „die Verfärbung der Leiche nach der Behandlung mit Natron und dem Einreiben der Wickelbinden mit einer harzartigen Substanz während der Mumifizierung.“

Doch Schwarz war für die Ägypter keine Farbe des Bösen oder der Bedrohung: Seine unnatürlich schwarze Farbe wird mit dem Totenkult in Verbindung gebracht. Schwarz waren die Körper der Verstorbenen, nachdem ihnen bei der Mumifizierung alle Feuchtigkeit durch ein Natronbad entzogen worden war und man sie anschließend mit Salben und Ölen eingerieben hatte. Schwarz war auch die fruchtbare Erde, die der Nil nach der Überschwemmung zurückließ und aus der neues Leben hervorging. Und nach dem tiefen Glauben der Ägypter sollte ja auch auf den Tod die Auferstehung und ein neues Leben im Jenseits folgen.

Die schwarze Farbe des Gottes ist daher ein vielschichtiges Symbol: Sie steht für die Mumifizierung, die fruchtbare Erde des Nils und die Hoffnung auf Wiedergeburt – drei Konzepte, die im ägyptischen Denken untrennbar miteinander verbunden waren. Schakale waren im alten Ägypten eng mit den Wüstenrändern und den Nekropolen verbunden, wo sie oft die Gräber bewachten oder umherstreiften. Ihre schwarze Farbe symbolisierte nicht das Böse, sondern die Fruchtbarkeit und die Wiedergeburt, ähnlich der Farbe des Nilschlamms.

Dargestellt wurde er dabei auf mehrere Weisen: Er wird vorwiegend als liegender schwarzer Hund, Schakal oder als Mensch mit einem Hunde- oder Schakalkopf dargestellt. Er trägt meistens ein Was-Zepter und ein Anch. Das Anch-Symbol steht dabei für ewiges Leben – es ähnelt einem Kreuz mit einer Schlaufe oben. Es repräsentiert das Konzept des ewigen Lebens und wird oft „Schlüssel des Lebens“ oder „Schlüssel des Nils“ genannt. Wenn er das Anch hält, symbolisiert dies seine Rolle als Führer der Seelen Verstorbener in das ewige Leben im Jenseits.

Diese Kombination aus Tiergestalt, schwarzer Farbe und lebensbejahendem Symbol macht ihn zu einem der komplexesten Götter des gesamten ägyptischen Pantheons – einem Gott, dessen äußere Erscheinung bereits seine gesamte theologische Bedeutung in sich trägt.

„Niemand betrat das Reich der Nacht, wenn Anubis ihn nicht dorthin gebracht.“

Wie erzählt das Weltenklang-Wissenslied die Geschichte des Anubis?

Das Weltenklang-Wissenslied über Anubis taucht tief in die ältesten Schichten der ägyptischen Mythologie ein. Es beginnt vor den Dynastien, vor den Pyramiden – an den Gräbern am Ufer des Nils, wo Schakale in der Nacht umherstreiften und die Ägypter begannen, das Bild des Tieres mit dem Jenseits zu verbinden. Von dort führt das Lied durch die Jahrtausende: den Gott als Wächter der Nekropolen, als Meister der Einbalsamierung, als Herr der Waage im düsteren Urteilssaal.

Besonders eindrücklich wird das Wiegen des Herzens beschrieben – der Moment, in dem Ammit, das dreiköpfige Schreckenswesen, auf sein Mahl wartet, während Ma’ats Feder auf der goldenen Waage liegt. Das Lied bringt dabei nicht nur die Mythologie auf den Punkt, sondern vermittelt auch das emotionale Gewicht dieser Szene: Was passiert, wenn das Herz zu schwer ist? Was bedeutet es, vor dieser Waage zu stehen?

Außerdem spannt das Wissenslied von Weltenklang den historischen Bogen: vom Alten Reich bis zur Römerzeit, vom mächtigen Herrn der Toten zum Wächter unter Osiris. Wer den Schakalgott wirklich verstehen will – seine Herkunft, seine Rolle im Totengericht und seine jahrtausendealte Bedeutung – hört am besten rein und abonniert den Kanal, um keine weiteren Wissenslieder zu verpassen.

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Anubis

Wo taucht Anubis heute noch auf?

Kaum ein altägyptischer Gott hat den Sprung in die Moderne so eindrucksvoll geschafft wie der schwarze Schakalgott. Sein markantes Erscheinungsbild – Menschenkörper, Tierkopf mit spitzen Ohren, goldene Waage – ist heute weltweit wiedererkennbar, von Museumspostern bis zu Videospielgrafiken.

Seine Darstellung als Schakalgott hat sich zu einem ikonischen Symbol der altägyptischen Mythologie entwickelt, das häufig in zeitgenössischer Kunst und Mode auftaucht. Er ist auch ein beliebtes Thema in Fantasy- und Science-Fiction-Genres geworden, oft als mächtige und geheimnisvolle Gottheit mit übernatürlichen Fähigkeiten dargestellt. Trotz seiner antiken Ursprünge fesselt sein Bild und seine Symbolik weiterhin die Fantasie moderner Publikumsschichten und erinnert an das unvergängliche Erbe der altägyptischen Kultur.

In Neil Gaimans Roman „American Gods“ taucht er als Figur namens Mr. Jacquel auf. In der Nickelodeon-Mystery-Serie „House of Anubis“ (basierend auf der belgisch-niederländischen Show „Het Huis Anubis“) tauchte er zwar nicht als Charakter auf, aber es gab mehrere Verweise auf die ägyptische Mythologie. In der Serie war das „Zeichen des Anubis“ ein Fluch, der diejenigen, die es trugen, sterben ließ.

In der ptolemäischen Periode (350–30 v. Chr.), als Ägypten ein hellenistisches Königreich unter griechischen Pharaonen wurde, wurde er mit dem griechischen Gott Hermes zum Mischwesen Hermanubis verschmolzen. Die beiden Götter galten als ähnlich, da sie beide Seelen ins Jenseits geleiteten. Dieser Hermanubis erscheint sogar noch in mittelalterlicher und Renaissance-Alchemie – ein Zeuge dafür, wie tief die Faszination für den altägyptischen Seelengeleiter in der westlichen Kulturtradition verwurzelt ist.

Sein Bild zählt noch immer zu den bekanntesten aller ägyptischen Götter, und Nachbildungen seiner Statuen und Grabmalereien sind gerade bei Hundebesitzern in der modernen Zeit beliebt. Als Tätowierungsmotiv, Cosplay-Kostüm oder auf Merchandise-Produkten – der Wächter der Nacht ist aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken.

Fazit – Warum Anubis bis heute fasziniert

Der schwarze Schakalgott fasziniert, weil er eine der ältesten menschlichen Fragen berührt: Was geschieht nach dem Tod? Und wer richtet über ein gelebtes Leben? Als einer der ersten Götter Ägyptens überhaupt verarbeitete er die Angst vor dem Vergehen und verwandelte sie in ein System aus Würde, Ritual und kosmischer Gerechtigkeit.

Er galt nicht als böse. Er war ein strenger, aber gerechter Richter und ein Beschützer der Toten. Seine Aufgabe war es, für Ordnung im Übergang ins Jenseits zu sorgen und die Verstorbenen vor Gefahren zu bewahren.

Die ältesten erhaltenen Aufzeichnungen belegen, dass er bereits in den frühesten Tagen Ägyptens verehrt wurde. Er war so wichtig, dass die Totenriten als unvollständig galten ohne ihn. Jahrtausende sind seitdem vergangen – doch der Wächter steht noch immer, die Waage in der Hand, das Schweigen der Nacht um sich.

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Quellen & weiterführende Links

  1. Wikipedia EN – Anubis: https://en.wikipedia.org/wiki/Anubis
  2. Britannica – Anubis: https://www.britannica.com/topic/Anubis
  3. World History Encyclopedia – Anubis: https://www.worldhistory.org/Anubis/
  4. Ancient Egypt Online – Anubis: https://ancientegyptonline.co.uk/anubis/
  5. Selket – Anubis, Gott des Totenkultes: https://www.selket.de/aegyptische-goetter/anubis/
  6. Egyptian Museum – Anubis: https://egyptianmuseum.org/deities-Anubis
  7. Mythopedia – Anubis: https://mythopedia.com/topics/anubis/
  8. MythenChronik – Anubis: https://mythenchronik.de/wesen/goetter/anubis
  9. AnthroWiki – Anubis (Ägyptische Mythologie): https://anthrowiki.at/Anubis_(Ägyptische_Mythologie)