Jedes Herz verdient zu schlagen – Was die Medizin möglich machte

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Ein Herzschlag. Unsichtbar, selbstverständlich – bis er es nicht mehr ist. Hinter jedem Pochen steckt eine Geschichte: die Geschichte von Forschern, die das Unsichtbare sichtbar machen wollten, von Ärzten, die ihr eigenes Leben riskierten, und von Kindern, deren blaue Lippen eine Ärztin nicht schlafen ließen. Das Weltenklang-Wissenslied „Jedes Herz verdient zu schlagen“ erzählt genau diese Geschichte – von Willem Einthoven bis Andreas Grüntzig, von den ersten zitternden Kurven auf Papier bis zum winzigen Ballon, der heute Millionen von Herzinfarkten verhindert. Jedes dieser Werkzeuge begann mit einem mutigen Menschen, der sagte: Dieses Herz hat das Recht zu schlagen.

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Wie hat Einthoven das EKG erfunden?

Es war eine Idee, die zunächst kaum jemand ernst nehmen wollte: Das Herz erzeugt elektrische Ströme, und diese Ströme lassen sich messen. Der Mediziner Willem Einthoven hat vor über 100 Jahren das Elektrokardiogramm – kurz EKG – erfunden. Was heute wie eine Selbstverständlichkeit klingt, war um 1900 eine wissenschaftliche Herausforderung der besonderen Art.

Einthoven wurde am 21. Mai 1860 in Semarang auf Java geboren und wuchs in den Niederlanden auf. In den folgenden Jahren entwickelte er eine standardisierte Aufzeichnungsmethode von Herzaktionsstromkurven, die er „Elektrokardiogramm“ nannte. Das Gerät, das er dafür konstruierte, war alles andere als handlich: Die ersten von Einthoven entwickelten Elektrokardiographen waren nahezu zimmergroße, stationäre Maschinen. Sie wogen mit ihren Hilfsaggregaten einige hundert Kilogramm und benötigten mehrere technisch versierte Assistenten zur Bedienung.

Dass sein Weg zur klinischen Anwendung lang war, zeigt ein skurriles Detail: Die Untersuchung bettlägeriger Patienten im Leidener Krankenhaus erforderte das Verlegen von bis zu zwei Kilometer langen elektrischen Leitungen, ausgehend von Einthovens Laboratorium. Trotzdem ließ er nicht locker. Erst im Jahre 1908 verbreitete sich Einthovens Neuentwicklung in Deutschland, Frankreich, England und den USA. Als Folge dessen kamen Wissenschaftler und Mediziner aus aller Welt nach Leiden.

Die Fachwelt war zunächst skeptisch gegenüber dem Nutzen dieser Technik, doch 1924 wurde Einthovens Werk schließlich mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Heute gilt das EKG als das meistgenutzte diagnostische Instrument der Kardiologie überhaupt. Mittlerweile hat es sich zu der am häufigsten durchgeführten technischen Untersuchungsmethode entwickelt und besitzt, vor allem für die Innere Medizin, einen sehr hohen medizinischen Nutzen. Das Elektrokardiogramm ist ein unverzichtbares diagnostisches Untersuchungsverfahren, um die Herzströme des Menschen sichtbar zu machen.

Was Einthoven sichtbar machte, war nicht weniger als der Rhythmus des Lebens selbst – festgehalten in einer Kurve auf Papier, die für kommende Generationen zur Grundlage der modernen Herzmedizin werden sollte.

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Was wagte Werner Forßmann 1929 mit dem Herzkatheter?

Stell dir vor, du bist junger Assistenzarzt, dein Vorgesetzter verbietet dir jeden Patientenversuch – und du beschließt, dich selbst zum Versuchsobjekt zu machen. Genau das tat Werner Forßmann im Sommer 1929. Im Sommer 1929 beschloss der 25-jährige Assistenzarzt Werner Forßmann, sich mit eigener Hand als erster Mensch einen Harnkatheter über die Ellenbeugenvene ins rechte Herz vorzuschieben.

Der Plan war gewagt, die Durchführung abenteuerlich: Forßmann entschloss sich kurzerhand: „Gut, dann werde ich die Gefahrlosigkeit eben anders beweisen, und zwar mit einem Selbstversuch.“ Forßmann überredete entgegen dem Verbot eine Chirurgieschwester, die medizinischen Geräte vorzubereiten. Er führte sich dann selbst den Gummischlauch in die linke Armvene. Mit dem Schlauch im Arm lief er zum Röntgenzimmer. Auf dem Durchleuchtungsschirm prüfte er den Sitz des Katheters und schob ihn weiter, bis er die rechte Herzkammer erreichte.

Der unmittelbare Lohn war gering: Obwohl die Katheterisierung des rechten Herzens und der Selbstversuch Forßmanns zur Zeit seiner Durchführung wenig beachtet wurde, war dieser Versuch sein wichtigster Beitrag zur medizinischen Forschung. Den Grundstein dafür hat Werner Forßmann mit seinem waghalsigen Selbstversuch gelegt. 1956 wurde er für die erste Herzkatheteruntersuchung mit dem Medizinnobelpreis belohnt.

Den Nobelpreis teilte er sich mit zwei Forschern, die seinen kühnen Weg weitergingen: In später Anerkennung seiner Arbeit erhielt er 1956 gemeinsam mit André Frédéric Cournand und Dickinson Woodruff Richards den Nobelpreis für Medizin für ihre Entdeckungen zur Herzkatheterisierung und zu den pathologischen Veränderungen im Kreislaufsystem.

Cournand und Richards waren maßgeblich beteiligt, die Herzkatheterisierung zu einer klinischen Routinemethode zu machen, die mit der parallel dazu erheblich verbesserten Röntgenkardiographie eine exakte Diagnostik ermöglichte. Vor allem in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg griffen Cournand und andere Mediziner Forßmanns Arbeiten auf; sie bilden die Basis der modernen Herzdiagnostik. Was als Selbstversuch eines mutigen jungen Arztes begann, wurde damit zur Grundlage einer ganzen medizinischen Disziplin.

Forßmanns Geschichte zeigt: Manchmal braucht es jemanden, der bereit ist, das Unmögliche an sich selbst auszuprobieren – damit andere danach sicher behandelt werden können.

Warum ist die Blue-Baby-Operation bis heute bedeutsam?

Blau gefärbte Lippen, ein Herz das kämpft, Eltern die verzweifeln: So sah die Realität von Kindern mit angeborenen Herzfehlern aus, bevor drei außergewöhnliche Menschen 1944 alles veränderten. Helen Taussig wird die Entwicklung des Konzepts für einen Eingriff zugeschrieben, der das Leben von Kindern verlängern sollte, die mit der Fallot’schen Tetralogie – der häufigsten Ursache des Blausucht-Syndroms – geboren wurden.

Die „Blue Baby Operation“, die erstmals im November 1944 am Johns Hopkins Hospital in Baltimore durchgeführt wurde, ist wie wohl kein anderer Eingriff zum Symbol dafür geworden, dass die Herzmedizin die Schwelle in eine andere Dimension überschritten hatte. Die Erkrankung führt zu einer schlechten Sauerstoffversorgung des Blutes durch anatomische Abnormalitäten, was zu Zyanose führt – erkennbar an blauen Lippen und Fingerspitzen.

Doch wer war wirklich der Architekt dieses Eingriffs? Für diesen Schritt bedurfte es des Aufeinandertreffens dreier Menschen und Charaktere, wie sie wohl unterschiedlicher kaum hätten sein können: des Chirurgen Alfred Blalock, seines technischen Assistenten Vivien Thomas und der Kinderkardiologin Helen Taussig. Vivien Thomas – ein afroamerikanischer Labortechniker ohne formale medizinische Ausbildung – war dabei die treibende handwerkliche Kraft: Thomas war einzigartig darin, dass er keine professionelle Ausbildung oder Erfahrung in einem Forschungslabor hatte; er diente jedoch 35 Jahre lang als Leiter der chirurgischen Labore an der Johns Hopkins University.

Sein Beitrag blieb lange im Schatten. Erst 1976 ehrte ihn die Johns Hopkins University mit einem Ehrendoktortitel und ernannte ihn zum Instructor of Surgery an der Johns Hopkins School of Medicine. Blalocks nachfolgende Operationen erreichten eine Erfolgsquote von 80 Prozent und brachten ihm weltweiten Ruhm und internationale Aufmerksamkeit von Ärzten ein, die die Technik erlernen wollten.

Die Idee von Helen Taussig, das Handwerk von Vivien Thomas, der Mut von Alfred Blalock – keiner von ihnen allein hätte diese Geschichte geschrieben. Es ist eine Geschichte, die zeigt: Hinter jedem geretteten kleinen Herzlein stehen viele Menschen mit unterschiedlichen Talenten.

„Kann hinter jedem weitren Pochen doch ein ganzes Leben stehn.“

Warum macht das Weltenklang-Wissenslied aus Medizin ein Lied?

Medizingeschichte klingt für viele nach Lehrbuch, nach trockenen Daten, nach Zahlen, die man schnell wieder vergisst. Das Wissenslied von Weltenklang zu „Jedes Herz verdient zu schlagen“ geht einen anderen Weg: Es verwandelt die Geschichte des EKGs, des Herzkatheters und der Blue-Baby-Operation in einen Song – und macht damit etwas Wichtiges möglich: Emotionen.

Denn hinter jedem Patienten, hinter jeder Erfindung, hinter jedem Forscherleben steckt ein Herzschlag, der hätte aufhören können. Willem Einthovens erster Versuch, einen zimmergroßen Apparat zum Sprechen zu bringen. Werner Forßmanns Schlauch, den er sich selbst durch die Armvene schob. Vivien Thomas, der anleitend hinter Alfred Blalock stand, während dieser die erste Blue-Baby-Operation am Menschen durchführte. Am 16. September 1977 revolutionierte Andreas Grüntzig in Zürich mit der ersten erfolgreichen Ballonaufdehnung eines Herzkranzgefäßes die Kardiologie. Das anfangs von Kollegen noch skeptisch betrachtete Verfahren hat sich heute weltweit als Standardmethode zur Behandlung des Herzinfarktes und der koronaren Herzkrankheit etabliert und damit Millionen von Menschen das Leben gerettet.

All diese Momente – gefasst in Melodie und Text – machen die Geschichte der Herzmedizin greifbar. Das Wissenslied lädt dazu ein, nicht nur zu wissen, sondern zu fühlen, warum diese Entdeckungen so wichtig waren. Wer den Song einmal gehört hat, vergisst die Namen und Jahreszahlen nicht mehr – weil sie plötzlich klingen, statt nur zu stehen.

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Wie lebt die Herzmedizin heute weiter?

Was Einthoven, Forßmann, Taussig, Thomas und Grüntzig begannen, ist längst kein abgeschlossenes Kapitel. Es ist eine lebendige Wissenschaft, die täglich weitergeschrieben wird. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit, deshalb ist es heute wichtiger denn je, das eigene Herz zu kennen.

Das EKG, das Einthoven mit einem zimmergroßen Apparat begann, passt heute in eine Smartwatch. Die grundlegenden Prinzipien von Einthovens ursprünglicher Arbeit, einschließlich seiner Benennung verschiedener Wellenformen, gelten noch heute – das EKG hat sich jedoch von seinem ursprünglichen Drei-Kanal-Gerät hin zum standardisierten 12-Kanal-EKG weiterentwickelt, das seit 1954 in Verwendung ist.

Der Ballonkatheter, den Grüntzig in seiner Zürcher Küche entwickelte, wird täglich tausendfach eingesetzt. Er stellte sich vor, dass es eines Tages möglich sein könnte, eine Arterie von innen zu erweitern, ohne den Brustkorb öffnen zu müssen. Während heute moderne Forschungszentren nach ihm benannt sind, tüftelte er damals zu Hause am Küchentisch. Andreas Grüntzig gilt heute als Revolutionär, Pionier und Retter der Herzen.

Und das Prinzip des Blalock-Thomas-Taussig-Shunts lebt in der modernen Kinderherzchirurgie fort – verfeinert, verbessert, aber im Kern derselbe Gedanke: Wenn das Herz eines Kindes nicht genug Sauerstoff bekommt, suchen wir einen neuen Weg. „Viele Herzerkrankungen verlaufen zunächst ohne Beschwerden. Ein EKG kann schon frühe Veränderungen aufzeigen, die dann rechtzeitig behandelt werden können.“

Früherkennung, neue Kathetermethoden, digitale Diagnostik – die Geschichte der Herzmedizin zeigt vor allem eines: Sie wird von Menschen gemacht, die nicht aufgehört haben zu glauben, dass kein Herz zu klein ist, um gerettet zu werden. Und sie zeigt gleichzeitig, dass Wissenschaft kein einsames Geschäft ist: Marie Curie, Gregor Mendel, Nikola Tesla – sie alle stehen für denselben Mut, über die Grenzen des Bekannten hinauszugehen.

Fazit – Warum dieses Lied bis heute fasziniert

„Jedes Herz verdient zu schlagen“ ist kein Lied über Medizin. Es ist ein Lied über Mut. Über Menschen, die ungesicherte Wege beschritten, Verbote ignorierten, Jahrzehnte kämpften – damit andere Menschen länger leben. Einthoven machte das Unsichtbare sichtbar. Forßmann schob sich selbst einen Katheter ins Herz, damit andere es nicht müssen. Taussig und Thomas retteten Kinder, die ohne sie keine Chance gehabt hätten. Grüntzig träumte von einem Ballon und veränderte die Kardiologie für immer.

Diese Geschichten faszinieren, weil sie uns erinnern: Hinter jeder medizinischen Selbstverständlichkeit steckt ein Mensch, der zuerst zweifelte, dann aber handelte. Weil jedes Herz das Recht hat zu schlagen.

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Wie Einthoven und Forßmann brach auch Marie Curie in eine Welt auf, die ihr den Zutritt verweigern wollte – und veränderte die Wissenschaft für immer.

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Quellen & weiterführende Links

  1. t-online.de – Willem Einthoven und die Erfindung des EKGs: t-online.de/gesundheit/id_85790554
  2. MT-Dialog – Einthoven, der Entwickler des Elektrokardiogramms: mtdialog.de
  3. Wikipedia DE – Werner Forßmann: de.wikipedia.org/wiki/Werner_Forßmann
  4. medonline.at – Im Selbstversuch: Werner Forßmann und die erste Herzkatheterisierung: medonline.at
  5. Siemens Healthineers Medizinmuseum – Geschichte der Herzkatheteruntersuchung: medmuseum.siemens-healthineers.com
  6. Springer Nature – Alfred Blalock, Vivien Thomas, Helen Taussig und die „Blue Baby Operation“: link.springer.com
  7. Wikipedia EN – Helen B. Taussig: en.wikipedia.org/wiki/Helen_B._Taussig
  8. Wikipedia EN – Vivien Thomas: en.wikipedia.org/wiki/Vivien_Thomas
  9. Universitätsspital Zürich – Andreas Grüntzig und die Geschichte der perkutanen Koronarangioplastie: usz.ch
  10. Medizinhistorisches Zürich – Wo der Ballonkatheter entwickelt wurde: dlf.uzh.ch
  11. Nobel Prize – Dickinson W. Richards, Nobelpreis 1956: nobelprize.org
  12. Springermedizin – EKG-Diagnostik (DGIM Innere Medizin): springermedizin.de