Fafnir – Was die Mythen über den Drachen verschweigen

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Fafnir

Fafnir ist der berühmteste Drache der nordischen Mythologie – und gleichzeitig eine der tragischsten Figuren überhaupt. Fáfnir ist eine Drachenfigur der nordischen Mythologie, überliefert im Heldenlied Fáfnismál der Liederedda und in der Völsunga Saga. Was ihn von anderen Monstern unterscheidet: Er war ursprünglich kein Drache, sondern ein Zwerg oder ein anderer menschenähnlicher Charakter, der die Gestalt eines germanischen Drachen – eines Wurms oder einer Schlange – annahm, um einen Schatz zu bewachen. Sein Sturz ist kein äußerer Angriff, sondern wächst von innen: Ein Fluch, Familienverrat und die entfesselte Gier nach Gold verwandeln den einstigen Beschützer seines Vaterhauses in ein Ungeheuer. Diese Verwandlung war nicht nur physisch, sondern auch spirituell – Fafnir war nicht länger ein Mensch, sondern ein Symbol für die zerstörerische Kraft der Habgier.

Wer war Fafnir bevor er ein Drache wurde?

Fafnir ist gemäß der isländischen Völsunga Saga der Sohn des Zwergenkönigs Hreidmar. Seine Brüder heißen Otr (auch Otur) und Reginn. Fafnir wird als begabter Zwerg beschrieben, der mithilfe einer mächtigen Waffe und seines furchtlosen Gemüts das mit Edelsteinen verzierte und golden glänzende Haus seines Vaters hütet. Er ist der stärkste und aggressivste der drei Brüder. Diese Eigenschaft macht ihn zum natürlichen Wächter – doch genau diese Stärke wird später zur Quelle seines Verhängnisses.

Nach der nordischen Überlieferung war er der Sohn des Zwergenkönigs Hreidmar und hatte zwei Brüder, Otr und Regin. Alle vier Zwerge waren auch Zauberer und in der Lage, ihre Gestalt zu wechseln. Bruder Otr nutzte diese Fähigkeit als geschickter Fischer, der täglich die Form eines Otters annahm. Regin hingegen war ein Meisterschmied und erbaute für den Vater das prächtige Goldhaus. Regin war ein unglaublich geschickter Meisterschmied, der dem Vater ein Haus aus Gold erbaute. Fafnir war ein großer Kämpfer, der es sich zur Aufgabe machte, das Haus vor Dieben zu schützen. Jeder Bruder hatte also seinen Platz – bis ein schicksalhafter Tag alles zerstörte.

Ausgerechnet die Götter lösten die Katastrophe aus: Die Asengötter Odin, Loki und Hönir treffen auf einer ihrer Reisen beim Fischen auf Bruder Ótr, der tagsüber einem Otter gleicht. Loki tötet den Otter mit einem Stein, und die drei Asen häuten ihren Fang. Als die Götter ahnungslos bei Hreidmar einkehren, erkennt dieser sofort das abgezogene Fell seines Sohnes. König Hreidmar erkannte das Otterfell als seinen Sohn und war voller Zorn und Trauer. Er verlangte von Loki Wergeld für den Tod seines Sohnes. Das Gold soll den Balg des Otters ausfüllen und seine Haut soll mit Rotgold überzogen werden, bis dahin sollten Odin und Hönir als Geiseln zurückbleiben.

Loki besorgt das Lösegeld auf seine eigene, rücksichtslose Art: Loki erpresst den Schatz des Zwerges Andvari, der einem unrechtmäßigen Besitzer stets Zwietracht und Unglück bringt. Berühmtestes Stück dieses Schatzes ist der Ring Andvaranaut. Andvari fleht Loki an, ihm wenigstens den Ring zu lassen – vergeblich. Der listige Gott schlug die Bitte des Zwergs aus. Wutentbrannt über die Gier Lokis verfluchte Andvari daraufhin das Kleinod, auf dass es den Tod überall jenen bringen möge, die es unrechtmäßig besitzen. Damit war das Schicksal der gesamten Familie Hreidmar besiegelt. Hreidmar, von Habgier erfüllt, weigerte sich, seinen Söhnen Fafnir und Regin den ihnen zustehenden Anteil am Wergeld zu geben. Diese Gier des Vaters pflanzte den Keim des Vatermords in sein eigenes Haus.

Fafnir

Warum verwandelte sich Fafnir in einen Drachen?

Die Verwandlung war kein plötzlicher Zaubertrick, sondern ein schleichender Prozess – getrieben von einem Fluch und der entfesselten Gier. Aus Gier, weil Hreidmar seinen beiden Söhnen nichts vom Wergeld abgeben möchte, tötet Fafnir seinen Vater, um alles Gold an sich zu reißen. Reginn flieht und wird später zum Mentor seines Ziehsohns Sigurd. Der Vatermord ist dabei keine impulsive Tat, sondern das logische Ende einer Kette aus Gier und Verrat, die mit Andvaris Fluch begann.

Nach dem Mord zieht sich der Zwerg mit dem Hort in die Einsamkeit zurück: Fafnir zieht sich in eine Höhle in der Wildnis auf der Gnitaheide zurück, wo er auf seinem Golde liegt, um es zu bewachen. Allmählich nimmt er die Gestalt eines Lindwurmes an, wobei der Oegishjalmr – ein Schreckenshelm, der das Aussehen verändert – sein Antlitz noch entsetzlicher macht. Der Schreckenshelm – der Oegishjalmr – ist dabei nicht nur Requisite, sondern ein mächtiges Artefakt: Er ist ein Gegenstand in der nordischen Mythologie, der zum Hort des Wurmes Fáfnir gehört. In der Prosa des Reginsmál wird beschrieben, dass Fáfnir den Helm besaß und alle lebenden Wesen ihn fürchteten.

Er wurde sehr bösartig und gierig, ging in die Wildnis, um sein Vermögen zu bewachen, und verwandelte sich schließlich in eine Schlange oder einen Drachen – Symbol der Gier – um seinen Schatz zu hüten. Fáfnir blies auch Gift auf das Land um ihn herum, sodass niemand in seine Nähe kam, und verbreitete Schrecken in den Herzen der Menschen. In den Quellen erscheint der Drache zudem in unterschiedlichen Formen: In Fáfnismál wird er als flügellos und schlangenartig beschrieben. In der späteren Völsunga Saga jedoch hat er Schultern, was auf Beine, Flügel oder beides hindeutet.

Was genau diese Verwandlung auslöste, ist in den Quellen nicht eindeutig geklärt. So wie es natürlich war, dass Otr, ein Fischer, die Gestalt eines Otters annahm, war es natürlich, dass Fafnir, ein Mann von immenser Stärke und Aggression, die Gestalt eines Drachen annahm. Die Gestaltwandlung spiegelt also das innerste Wesen des Charakters wider – und das innerste Wesen des Zwerges war am Ende eines: grenzenlose, zerstörerische Habgier.

Wie tötete Sigurd den Drachen Fafnir?

Der Mörder des Drachen heißt Sigurd – in deutschen Überlieferungen bekannt als Siegfried – und er handelt nicht aus eigenem Antrieb, sondern als Werkzeug seines Ziehvaters Regin. Nach dem Tod seines Vaters wuchs Sigurd bei Regin, einem begabten Schmied, auf, der ihn erzog und trainierte. Doch Regin hatte einen eigenen Plan: Er wollte Sigurd als Werkzeug nutzen, um seinen Bruder Fafnir zu töten und den Schatz zu erlangen.

Die Strategie, die Regin entwirft, ist clever und heimtückisch: Regin rät Sigurd, eine Grube unter Fafnirs Schwanz auszuheben, um dort zu warten. Wenn der Lindwurm darüber gleitet, um an einem Strom Wasser zu trinken, würde Sigurd sein Schwert Gram in Fafnirs Herz stoßen können. Doch bevor Sigurd die Grube aushebt, erscheint unerwartet Hilfe: Als Sigurd die Grube ausgehoben hat, erscheint Odin in Form eines alten Mannes mit einem langen Bart und rät ihm, mehr Gräben anzulegen, damit Fafnirs Blut abrinnen kann. Er will Sigurd davor schützen, im Drachenblut zu ertrinken.

Die Erde erzittert, als Fafnir erscheint, Gift verspritzend, als er zum Wasser schlängelt. Sigurd, unbeeindruckt, sticht Fafnir mit seinem Schwert ins Herz, als dieser über die Grube kriecht, und verwundet den Lindwurm so tödlich. Dann folgt einer der bewegendsten Momente der gesamten Edda: Der sterbende Drache spricht mit seinem Mörder. Fafnir erkennt, dass sein eigener Bruder Reginn hinter der Verschwörung steckt und sagt voraus, dass Reginn auch Sigurds Tod verursachen wird. Fafnir warnt Sigurd, dass jeder, der das Gold besitzt, verurteilt ist zu sterben. Sigurd antwortet jedoch, dass alle Menschen einmal sterben müssen und es der Traum vieler Menschen sei, bis zu ihrem Tod reich zu sein, weshalb er das Gold ohne Furcht nehmen werde.

Was dann geschieht, macht das Mahl des Helden zur magischen Prüfung: Aus Versehen gelangt Fafnirs Blut an Sigurds Lippen, als dieser kosten will, ob das Herz gar ist, wodurch er die Gabe erhält, die Sprache der Vögel zu verstehen. Er erfährt von den Vögeln Odins über Reginns bevorstehenden Plan, ihn zu töten, und köpft daraufhin Reginn, verspeist Fafnirs Herz und trinkt Reginns Blut. In einigen Versionen nimmt Sigurd nicht nur den Schatz, sondern auch die Schwerter Ridill und Hrotti, den Schreckenshelm Oegishjalmr sowie den goldenen Tarnmantel. Der Fluch des Goldes folgt ihm jedoch, wie der sterbende Drache prophezeite.

Was bedeutet der Schreckenshelm des Drachen?

Der Oegishjalmr – der Schreckenshelm – ist weit mehr als ein Requisit in der Fafnir-Geschichte. Er ist ein Gegenstand aus der nordischen Mythologie, erwähnt in der Edda. Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus dem altnordischen Wort œgr (althochdeutsch egis), was so viel wie „schrecklich“ heißt, und hjalmr, dem altnordischen Wort für Helm. Wörtlich übersetzt bedeutet Oegishjalmr also „Schreckenshelm“.

Bei dem Helm handelt es sich um eine Art Maskerade (Mimikry). Hierdurch wird der Träger befähigt, seine wahre Gestalt zu verschleiern und zum Beispiel ein grauenerregendes Äußeres anzunehmen. Daher auch die Bezeichnung als Schreckenshelm. In der Fáfnismál selbst rühmt sich der Drache des Helms: „Den Helm der Ehrfurcht trug ich vor den Söhnen der Menschen, um meinen Schatz zu verteidigen; unter allen war ich allein stark, dachte ich bei mir, denn ich fand keine Macht, die mir ebenbürtig war.“

Ob es sich dabei um einen physischen Gegenstand oder ein magisches Zeichen handelt, ist bis heute umstritten: Mit Hinblick auf die Rolle des Oegishjalmr in der Zauberei wird davon ausgegangen, dass Fafnir keinen wirklichen Helm auf dem Haupt trug, sondern dass sich das Zeichen des Oegishjalms auf seiner Stirn befand. Sigurd trägt den Helm nach dem Sieg davon – damit geht nicht nur ein Schatz, sondern auch ein mächtiges Symbol von einer Generation zur nächsten über.

Drachen repräsentierten Gier in der nordischen Kultur, und es war deutlich Fafnirs Gier und der unbedingte Wunsch, den Schatz seines Vaters für sich allein zu besitzen, der seine Verwandlung antrieb. Als Drache blies er Gift auf das Land um sein Vaterhaus, was die Menschen fernhielt. Dies veranschaulicht deutlich die vergiftende Wirkung, die Gier auf den Einzelnen und die Gemeinschaft haben kann.

„Das verfluchte Gold gehört nur mir. Zum Drachen verwandelt hat mich die Gier – und wenn du Gold allein zählst, fehlt dir jedes Erbarmen.“

Was hat das Weltenklang-Wissenslied mit Fafnir zu tun?

Das Weltenklang-Wissenslied über Fafnir taucht tief in diese Tragödie ein – und lässt den Drachen selbst sprechen. Aus seiner Perspektive erzählt das Lied den Bogen von der glücklichen Kindheit in Hreidmars Haus über das Unheil, das die Götter brachten, bis zum Verrat an Vater und Bruder. Der Drache singt nicht als Bösewicht – er singt als Wesen, das die Konsequenzen seiner eigenen Gier erkennt, wenn es zu spät ist.

Musikalisch verbindet das Lied epische Schwere mit einem melancholischen Bruch am Ende: Wenn die Energie aus dem Drachen weicht und er Sigurd mit letzter Kraft warnt, verändert sich der Sound – bedrohliche Kraft weicht sterbender Erkenntnis. Es ist dieser Moment, der Fafnir von einem simplen Monster zu einer echten Tragödienfigur macht. Das Wissenslied von Weltenklang fängt genau diese Verwandlung in Musik ein.

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Fafnir

Was hat Fafnir mit Smaug aus dem Hobbit zu tun?

Die Verbindung zwischen dem nordischen Drachen und Tolkiens berühmtestem Ungeheuer ist keine Zufälligkeit: Die Geschichte von Fáfnir hat bis in die Neuzeit Einfluss gehabt, so in den Werken von J.R.R. Tolkien, der sich vom Fafnir-Mythos bei der Darstellung von Smaug und Gollum inspirieren ließ. Einige der ersten Erzählversuche des jungen Tolkien, beeinflusst von Fafnir, handelten von Drachen, und die Erinnerung an Fafnir lebte in Smaug weiter.

Fáfnir und Smaug ähneln sich am stärksten darin, dass sie in Rätseln sprechen, Weisheit besitzen und goldene Horte bewachen. Beide sind auch sehr menschenähnlich, anders als Drachen aus anderen Geschichten wie Beowulf. Darüber hinaus spiegelt Tolkiens Figur des Gollum den Drachen auf einer anderen Ebene: Fáfnirs Untergang durch obsessive Gier spiegelt sich auch in Tolkiens Figur Gollum wider. Beide werden durch Mord aus Verlangen nach einem Schatz – in beiden Fällen einem magischen Ring – angetrieben und flüchten ins Exil, um ihn zu horten. Wie bei Fafnir erweist sich das, was Gollum so begehrt, als sein Fluch.

Auch Richard Wagner griff den Stoff auf: Eine der bekanntesten Adaptionen der Nibelungensage ist Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen. Fafnir kommt hier unter dem Namen Fafner vor. Seine Rolle wird von einem Bass gesungen. Die schwedische Metal-Band Amon Amarth erzählt in ihrem Lied Fafner’s Gold auf dem Album Berserker die Geschichte des Zwergs Reginn und des Drachen Fafnir. Und im Videospiel-Bereich taucht der Name Fafnir in unzähligen Rollenspielen auf, von God of War bis zu modernen Norse-Fantasy-Titeln.

Fafnir erinnert uns daran, dass das Streben nach Macht und Reichtum ohne Mitgefühl uns in etwas verwandeln kann, das wir nicht mehr erkennen. Sein Untergang geht nicht nur darum, ein Monster zu erschlagen – es geht darum, dem Monster in uns selbst zu begegnen.

Fazit – Warum Fafnir bis heute fasziniert

Fafnir ist kein einfacher Drache. Er ist der erschreckend menschliche Beweis dafür, wohin Gier führt: zum Vatermord, zur Isolation, zur vollständigen Entmenschlichung. Fafnirs Mythos lehrt, dass Gier isoliert und zerstört. Seine Verwandlung in einen Drachen war sowohl Strafe als auch Spiegelung seiner Seele. Trotz seiner immensen Macht lebte und starb er allein, verzehrt von dem Schatz, den er zu schützen suchte. Dass er im Sterben selbst warnt – dass Gold nicht zählt, was im Leben wirklich gilt – macht ihn zu einer der berührendsten Figuren der gesamten nordischen Mythologie. Seine Geschichte lebt weiter: in Tolkiens Drachen, in Wagners Oper, in modernen Spielen und im Weltenklang-Wissenslied, das sie für heute neu erzählt.

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Quellen & weiterführende Links

  1. Wikipedia (DE) – Fafnir: https://de.wikipedia.org/wiki/Fafnir
  2. Wikipedia (EN) – Fáfnir: https://en.wikipedia.org/wiki/F%C3%A1fnir
  3. Britannica – Fafnir: https://www.britannica.com/topic/Fafnir
  4. Wikipedia (DE) – Oegishjalmr: https://de.wikipedia.org/wiki/Oegishjalmr
  5. VKNG Jewelry Blog – Fafnir Norse Mythology: https://blog.vkngjewelry.com/en/fafnir/
  6. Wikipedia (EN) – Fáfnismál (mit Tolkien-Vergleich): https://en.wikipedia.org/wiki/F%C3%A1fnism%C3%A1l
  7. Norse Story (DE) – Sigurd und Fafnir: https://www.norsestory.de/wikinger-geschichten-sigurd-fafnir-voelsunga-saga/
  8. Smithsonian Magazine – Tolkien und Smaug: https://www.smithsonianmag.com/smart-news/smaug-dragons-deep-roots-real-mythology-180964935/
  9. Centre of Excellence – Fafnir in Norse Mythology: https://www.centreofexcellence.com/fafnir-norse-mythology/