Wie Götter reisen – Die wildesten Fortbewegungsmittel der Nordischen Mythologie

Lesezeit: ca. 9 Minuten

Wie Götter reisen

In der nordischen Mythologie reist kein Gott wie der andere. Thor donnert im Ziegenböcke-Wagen über den Himmel, Odin reitet auf einem achtbeinigen Pferd zwischen den Welten, und Freyja lässt sich geräuschlos von Katzen ziehen. Jedes Fortbewegungsmittel ist ein Spiegel der Persönlichkeit seines Besitzers – und ein Fenster in das kosmische Weltbild der Wikinger. Die Eddas, unsere wichtigsten schriftlichen Quellen zur nordischen Götterwelt, liefern erstaunlich präzise Beschreibungen dieser Reisemethoden: von Sonnenwagen bis Skiern, von Meeresströmungen bis zum faltbaren Schiff. Dieses Wissenslied macht genau dort Halt, wo es am spannendsten wird.

Täglich brechen die Asen zum Thing auf und reisen zu Urds Brunnen unter der Weltenesche Yggdrasil – und jeder wählt dabei seinen ganz eigenen Weg.

Woher stammt das Wissen über die Reisen der Götter?

Bevor wir die einzelnen Götter und ihre Gefährte unter die Lupe nehmen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Quellen. Die für uns wichtigste Quelle zu den Göttermythen ist die Edda. Genauer gesagt gibt es zwei: die ältere Lieder-Edda, eine Sammlung von Dichtungen unbekannter Autoren, und die jüngere Prosa-Edda des isländischen Gelehrten Snorri Sturluson aus dem 13. Jahrhundert. Ohne Snorri Sturluson wäre die Lage jedoch viel schlimmer gewesen. Snorri war ein Historiker und Gelehrter, der im 13. Jahrhundert in Island lebte und das schuf, was oft als die erste oder zumindest umfassendste schriftliche Quelle der nordischen Mythologie gilt: die Prosa-Edda.

Gerade die Gylfaginning – ein zentrales Kapitel der Prosa-Edda – beschreibt detailliert, welche Götter welche Pferde, Wagen und Tiere besitzen. In der Prosa-Edda in der Gylfaginning wird erwähnt, dass jeden Tag die Asen über die Brücke Bifröst reiten und eine Liste ihrer Pferde gegeben wird. Diese Liste beginnt mit dem bekanntesten aller Reittiere: Sleipnir. Doch auch die kosmische Dimension des Reisens ist bedeutsam: Die Menschen lebten nur auf einer Ebene, während die nordischen Götter und Göttinnen eine andere bewohnten. Um zwischen den Existenzebenen zu reisen, musste man den Bifröst oder Bifrost überqueren – eine Regenbogenbrücke.

Der Bifröst ist dabei nicht für alle Götter die erste Wahl. Er wählt diesen Weg, weil Bifröst in Hitze brennt – gemeint ist Thor, der deshalb täglich durch reißende Flüsse waten muss, statt die Brücke zu benutzen. So ist schon die bloße Frage „Wie komme ich von A nach B?“ in der nordischen Götterwelt voller mythologischer Tiefe. Die nordische Mythologie ist nicht einfach ein Sammelsurium alter Geschichten – sie ist ein Spiegel dessen, wie die Menschen des Nordens ihre Welt, die Natur und das menschliche Schicksal verstanden. Die Fortbewegungsmittel der Götter sind dafür ein besonders anschauliches Beispiel: Sie zeigen Stärke, Charakter und kosmische Funktion in einem.

Wie Götter reisen

Wie reist jeder nordische Gott anders?

Der Himmel gehört zunächst Sól und Máni – Sonne und Mond. Sol ist die personifizierte Sonne, Tochter des Mundilfari und Schwester des Mani (Mond), Gemahlin des Glen. Den Sonnenwagen der Sol, aus Muspellsheims Funken geschaffen, ziehen die Pferde Alswinn und Arwakr, verfolgt vom Wolf Sköll. Máni folgt hinterher und lenkt den Mondwagen durch die Nacht – stets bedroht vom Wolf Hati, der ihn ebenso unaufhörlich verfolgt wie Sköll die Sonne. Diese Einsetzung ist kein romantisches Detail, sondern ein Hinweis auf ein tiefes kosmologisches Verständnis: Die Sonne ist nicht frei, sie erfüllt eine Aufgabe. Genau darin liegt die zentrale Bedeutung der Sól Sonnengöttin – sie ist Bewegung im Dienst der Ordnung.

Ganz anders reist der Donnergott. Tanngnióstr (Zähneknirscher) und Tanngrisnir (Zähneblecker), auch als Thors Böcke bekannt, sind in der nordischen Mythologie Thors Ziegenböcke, die dessen Wagen ziehen. Wenn Thor auf seinem magischen Streitwagen reitet, sind der Lärm und das Licht, das er verursacht, an Dutzenden von Orten zu sehen. Funken fliegen von den Rädern seines Wagens und erzeugen das Grollen des Donners. Diese Böcke haben eine besondere Eigenschaft: Thor ist auch bekannt für seinen Wagen, der von zwei Ziegenböcken, Tanngnjóstr und Tanngrisnir, gezogen wird. Diese Ziegen können nach dem Verzehr wiederbelebt werden, solange ihre Knochen unversehrt bleiben. Den Bifröst meidet der Donnerer bewusst – die Brücke würde unter seiner Hitze und Schwere in Flammen aufgehen.

Odins Reittier ist das bekannteste der nordischen Mythologie: Sleipnir ist ein achtbeiniges Pferd, das von Odin geritten wird. Sleipnir ist Odins Reittier, das Kind von Loki und Svaðilfari, und wird als das beste aller Pferde beschrieben. Es wird manchmal bis zum Ort von Hel geritten. Seine Fähigkeiten gehen weit über normale Pferde hinaus: Das schnellste aller Pferde, das in der Lage ist, jeden Ort in den neun Welten zu erreichen. Sleipnir erreichte nicht nur außergewöhnliche Geschwindigkeiten, sondern konnte auch zu Lande, in der Luft und auf dem Meer laufen.

Die stille Gegenwelt dazu bildet Freyja. Das zentrale Bild von Katzen in der altnordischen Mythologie findet sich in der Edda des berühmten isländischen Skalden Snorri Sturluson, demzufolge die Liebesgöttin Freya in einem von zwei Katzen gezogenen Wagen fährt. Eine ihrer charakteristischsten Eigenschaften ist ihr von Katzen gezogener Wagen, ein Symbol für ihre Anmut, ihre Verbindung zur Natur und ihre Macht über die magischen Kräfte. Katzen galten im Wikingerzeitalter als besondere Tiere, die die Fähigkeit besaßen, zwischen den Welten zu wandeln – ähnlich wie Freyja selbst. Ihr Bruder Freyr hingegen wählt seinen goldenen Eber: Gullinbursti ist eine Schöpfung der Zwerge Brokkr und Sindri – ein mechanischer Eber, der eine goldene Mähne und Borsten besitzt, die in der tiefsten Finsternis glühten.

Skadi wiederum braucht weder Wagen noch Reittier: Skaði ist ein Jötunn und eine Göttin, die mit Bogenjagd, Skifahren, Winter und Bergen in Verbindung gebracht wird. Skaði kehrte in die Berge zurück und lebt in Þrymheimr, und dort reist Skaði oft auf Skiern, schwingt einen Bogen und schießt auf wilde Tiere. Und Njörð, Gott des Meeres, braucht schließlich gar kein Fahrzeug – ihn trägt das Meer selbst. Njörd ist der Gott des Meeres, des Windes und des Wohlstands und wird oft mit reichen Fischgründen und gutem Seefahrtswetter in Verbindung gebracht.

Was bedeuten diese Fortbewegungsmittel symbolisch?

Die Reisemittel der nordischen Götter sind kein bloßes mythologisches Beiwerk – sie sind kosmische Bedeutungsträger. Sleipnir zum Beispiel ist weit mehr als ein schnelles Pferd. Sleipnir, das achtbeinige Pferd Odins, ist weit mehr als nur ein Reittier in der nordischen Mythologie. Er ist ein Symbol für außergewöhnliche Schnelligkeit, magische Kräfte, die Verbindung zwischen den Welten und die Reise in die Anderswelt. Seine acht Beine haben die Forschung beschäftigt: Die acht Beine von Sleipnir wurden als Hinweis auf große Schnelligkeit gedeutet, oder in unklarer Weise mit kultischen Aktivitäten verbunden. Hilda Ellis Davidson sagt, dass das achtbeinige Pferd von Odin das typische Ross des Schamanen ist.

Freyjas Katzenwagen trägt eine eigene Symbolik: Diese Katzen, die Freyjas Wagen zogen, waren nicht nur gewöhnliche Tiere, sondern symbolisierten ihre Verbindung zu den verborgenen Kräften der Natur und zur Magie. Sie galten als geschickte Jäger, die auch im Dunkeln ihre Wege finden konnten, was sie zu einem perfekten Symbol für die Göttin machte, die ebenfalls die Grenzen zwischen Leben, Tod und Liebe überbrücken konnte. Es ist zudem bemerkenswert, dass der von Großkatzen gezogene Wagen einen klassischen Topos der antiken Mythologie darstellt, der mit einer Reihe von Fruchtbarkeits- oder Muttergottheiten wie Kybele oder Artemis verknüpft ist. Freyja steht damit in einer langen Traditionslinie mächtiger Göttinnen.

Thors Ziegenböcke symbolisieren nicht nur Stärke: Der Wagen und die Ziegen symbolisieren Thors Verbindung zur Landwirtschaft und seine Rolle als Beschützer der Bauern und der Ernte. Die Fähigkeit, die Böcke zu verspeisen und am nächsten Tag wieder zu erwecken, deutet auf schamanistische Vorstellungen von Tod und Wiedergeburt hin. Auch der skandinavische Julbock hängt damit zusammen: Der skandinavische Brauch des „Julbockes“, einer Ziege aus Stroh, die als Weihnachtsschmuck verwendet wird, geht auf Thors Ziegen zurück.

Skadis Ski sind dagegen ein Zeichen absoluter Eigenständigkeit: Skaði wird auch als „Skigott“ (altnordisch Öndurgud) oder Öndurdis und die „Skidame“ (Öndurdís) bezeichnet. Skadi verkörpert die raue Schönheit und die unerbittliche Natur der Berge und des Winters. In der nordischen Mythologie wird sie oft als Jägerin und Schützin dargestellt, die auf Skiern über die Schneelandschaften gleitet und mit ihrem Bogen auf die Jagd geht. Das Bild der skifahrenden Göttin macht sie zur frühesten mythologischen Skifahrerin der Welt – lange bevor Ski zum Freizeitsport wurden.

Freyrs leuchtender Eber Gullinbursti verbindet Fortbewegung mit Sonnensymbolik: Das Wildschwein besaß eine goldene Mähne und Borsten, die in der tiefsten Finsternis glühten. Laut Snorri Sturlusons Skáldskaparmál aus der Prosa-Edda konnte Gullinbursti „besser durch Luft und Wasser rennen als jedes Pferd, und es konnte nie so dunkel werden bei Nacht oder Dunkelheit der trüben Regionen, dass es nicht genügend Licht gab“. Das leuchtende Tier, das selbst Schatten vertreibt, ist ein direktes Bild für Freyrs Verbindung zur Sonne und zu fruchtbarem Land.

„Der eine fliegt, der andre rennt, beim nächsten fast der Himmel brennt – Götter des Nordens eilen fort, anders erreicht jeder den Ort.“

Was macht das Weltenklang-Wissenslied über die Götterreisen besonders?

Das Weltenklang-Wissenslied „Wie Götter reisen“ nimmt eines der farbenreichsten Themen der nordischen Mythologie und bringt es in eine Form, die sofort hängen bleibt. Statt trockener Aufzählung wird jeder Gott mit seinem Transportmittel in einem einprägsamen musikalischen Bild festgehalten: der donnernde Wagen, das lautlose Gleiten, das Leuchten im Dunkel. Das Lied folgt dabei der Edda-Überlieferung präzise – von Sól und Máni über Loki als Schöpfer Sleipnirs bis hin zu Skadis Skiern und Njörðs Meer.

Besonders wirkungsvoll ist der Refrain, der das Prinzip der ganzen nordischen Götterwelt auf den Punkt bringt: Kein Gott reist wie ein anderer – und genau darin liegt die Faszination. Das Wissenslied von Weltenklang verbindet diese mythologischen Fakten mit einem eingängigen Rhythmus, der das Zuhören zum Lernerlebnis macht. Wer das Lied kennt, vergisst nie wieder, dass Freyja von Katzen gezogen wird oder dass der Bifröst für Thor zu heiß ist.

Der Kanal Weltenklang auf YouTube bietet regelmäßig solche Wissenslieder zu nordischer Mythologie, Geschichte und Folklore – ideal für alle, die Mythen nicht nur lesen, sondern wirklich erleben wollen.

Wie Götter reisen

Wie leben die Götterreisen in der modernen Kultur weiter?

Die Reisemittel der Asen sind in der modernen Popkultur längst angekommen. Sleipnir, das achtbeinige Pferd, taucht in Videospielen, Romanen und Kunstwerken auf. Das Symbol von Sleipnir erscheint heute in Schmuckstücken, Tätowierungen und in Kunstwerken, die die spirituellen Werte der nordischen Kultur aufgreifen. Für moderne Anhänger der nordischen Mythologie ist Sleipnir ein Symbol für persönliche Entwicklung, für den Mut, unbekannte Wege zu beschreiten, und für die Verbundenheit mit der spirituellen Welt.

Thors Ziegenböcke haben es sogar in die Marvel-Comics geschafft: Tanngrisnir und Tanngnjóstr wurden in Marvel Comics als Toothgnasher und Toothgrinder adaptiert. Auch in Romanen tauchen sie auf: In Rick Riordans Buch „Magnus Chase and the Gods of Asgard“ erscheinen beide Böcke als Marvin und Otis. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert erlebten die alten Mythen eine Renaissance – von Wagner-Opern über Tolkien-Romane bis zu modernen Marvel-Filmen ist der Einfluss offensichtlich. Namen wie Odin, Thor und Loki sind Icons der Popkultur geworden.

Auch Skadi lebt weiter: Ein Mond des Planeten Saturn (Skathi) und ein Berg auf der Venus (Skadi Mons) sind nach der Göttin benannt. Und in der Geologie hat Sleipnir sogar eine isländische Schlucht geprägt: Die Ásbyrgi-Schlucht im Norden Islands, die die Form eines riesigen Hufeisens hat, soll durch Sleipnir entstanden sein. Als Odin auf seinem achtbeinigen Ross über die arktischen Wüsten ritt, soll Sleipnir ausgerutscht sein und einen Huf auf Nordisland gesetzt haben. Die Mythologie lebt also buchstäblich in der Landschaft weiter.

Fazit – Warum die Götterreisen bis heute faszinieren

Die nordischen Götter reisen nicht zufällig so, wie sie reisen. Ihr Transportmittel ist ihre Visitenkarte: Odins Sleipnir steht für Grenzüberschreitung und Weltenwissen, Thors Böckewagen für donnernde Volksverbundenheit, Freyjas Katzenwagen für stille Macht und Magie. Skadis Ski zeigen Unabhängigkeit, Freyrs Eber verbindet Licht und Fruchtbarkeit. Die nordische Mythologie prägt bis heute unsere Vorstellung von Heldentum, Natur und kosmischem Schicksal. In keinem Detail wird das deutlicher als in der scheinbar simplen Frage: Wie kommt ein Gott von A nach B? Die Antwort füllt ganze Eddabücher – und ein großartiges Wissenslied.

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Quellen & weiterführende Links

  1. Wikipedia (EN): Sleipnir – https://en.wikipedia.org/wiki/Sleipnir
  2. Wikipedia (DE): Skadi – https://de.wikipedia.org/wiki/Skadi
  3. Wikipedia (DE): Tanngnjostr und Tanngrisnir – https://de.wikipedia.org/wiki/Tanngnjostr_und_Tanngrisnir
  4. Walhalla-Wikinger: Sleipnir – https://walhalla-wikinger.de/blogs/nordische-mythologie/sleipnir
  5. Walhalla-Wikinger: Freya – https://walhalla-wikinger.de/blogs/nordische-mythologie/freya
  6. Walhalla-Wikinger: Skadi – https://walhalla-wikinger.de/blogs/nordische-mythologie/skadi
  7. Nordwaldpfad: Sól Sonnengöttin – https://nordwaldpfad.de/sol-sonnengoettin-sonnenwagen/
  8. Walaskjalf Sippe: Mythologisches Lexikon S (Sol) – https://walaskjalf.com/die-wikinger/mythologisches-lexikon-s
  9. Wikingersturm: Freyr – https://wikingersturm.com/blogs/nordische-mythologie/freyr
  10. NorseStory: Die Katze in der nordischen Mythologie – https://www.norsestory.de/wikinger-tiere-katze/
  11. Die Wikinger Taverne: Der Streitwagen des Gottes Thor – https://die-wikinger-taverne.com/blogs/wikinger-blog/der-streitwagen-des-gottes-thor